Coaching für Menschen mit Gewaltproblematik

Unsere Philosophie

In über 15 Jahren der Arbeit mit gewalttätigen und delinquenten Menschen, haben wir viel Erfahrung mit einem erfolgreichen pädagogischen Umgang mit diesen Klient(inn)en sammeln können.

Die meisten unserer Klienten/Klientinnen nehmen an, dass Gewalt der einzige Weg ist, um sich aus spannungsreichen Situationen zu befreien. Sie leiden oft unter ihrem eingeschränkten Handlungsrepertoire, fast immer müssen sie soziale Ausgrenzung, zumindest aber Abwertung und Misstrauen hinnehmen und suchen nach einem Ausweg. Allerdings nach einem, der ihre spezielle, individuelle Problemlage ebenso berücksichtigt, wie ihren Lebensentwurf, ihre Meinung, ihre Haltung. Kurz: sie wünschen sich angemessenen Respekt, die Einhaltung ihrer Toleranzgrenzen und eine Unterstützung in der Erreichung ihrer Ziele.

 

Therapeutischen Interventionen gegenüber sind sie meist nicht aufgeschlossen. Ein interaktionelles Coaching ist aber genau der Weg, ihnen die benötigte Unterstützung zukommen zu lassen, um ihr zukünftiges Handeln nachhaltig zu verändern.

Die Ausgangssituation

Kinder sind anpassungsfähig und stellen sich perfekt auf die Personen ein, die für sie wichtig sind. Schwierig wird es, wenn diese ersten Beziehungen nicht förderlich oder/und grenzverletzend sind. Um das psychische und physische Überleben zu sichern, greifen dann Schutzmechanismen, die der Situation sehr angepasst sind, meist tief „verankert“ werden und über den Lebensverlauf beibehalten werden. Im späteren Leben stören diese „frühen Einprägungen“ dann aber oft in den verschiedenen Beziehungen, die man als Erwachsener eingehen will und muss.

Für ein halbwegs reibungsloses soziales Miteinander brauchen wir bestimmte sogenannte Selbst- und Beziehungsregulationsfunktionen. Zu diesen beziehungsgestaltenden Funktionen gehören z. B. Wahrnehmung und Steuerung von Affekten, Frustrationstoleranz, Antizipation, Selbstwertregulierung, Erleben und Regulieren von Schuld und Schuldgefühlen und Realitätsprüfung. Menschen, deren (insbesondere frühe) Erfahrungen nicht entwicklungsförderlich waren, weisen sehr häufig (aufgrund der oben beschriebenen erzwungenen Anpassungsreaktionen) Besonderheiten in der Entwicklung dieser Funktionen auf.

Frühe ungünstige, beschädigende oder gar traumatisierende Beziehungserfahrungen führen oft zu misstrauischem, abwertenden oder ablehnenden Verhalten. Viele dieser Kinder bringen in jungen Jahren lange „Karrieren“ in psychosozialen Helfersystemen (oft mit negativen Erfahrungen und Scheitern verbunden) hinter sich und begegnen psychologischen oder pädagogischen Fachkräften mit einer Mischung aus unberührbarer Härte und sozialer Anpassung. Versuche, ihr Verhalten mit ihnen gemeinsam zu reflektieren, perlen meistens an ihnen ab, es kommt in professionellen und privaten Beziehungen zu (unverstandenen) Abbrüchen von Beziehungen, Entwertungen und Ablehnungen, die häufig das ganze Leben durchziehen.

 

Wir alle bringen unsere Entwürfe der Welt mit in unsere Beziehungen und unsere Beziehungspartner reagieren unmittelbar darauf. So kommt es zu typischen Interaktionsmustern – und hier setzt unser interaktionelles Coaching an. 

 

Unser methodischer Ansatz

Auf einer metakognitiven, verhaltensorientierten Ebene, sind tiefgehende Veränderungen nur selten möglich, vor allem dann nicht, wenn Vernachlässigung, Traumatisierung, Übergriffe einen Menschen prägen. Deshalb ist unser Ansatz die zukunfts- und handlungsorientierte Herangehensweise der psychoanalytischen Pädagogik.

Im interaktionellen Coaching werden zwei wissenschaftlich fundierte, seit Jahren erprobte und als wirksam evaluierte Methoden miteinander verwoben und zum Einsatz gebracht: das Denkzeit-Training und die psychoanalytisch-interaktionelle Methode.

Das psychoanalytisch fundierte, sozialkognitive, pädagogische Denkzeit-Training unterstützt das Bearbeiten schwieriger Alltagssituationen auf der Suche nach einer Erweiterung von Handlungsoptionen. Dabei werden verschiedene bewährte methodische Elemente eingesetzt. Das Denkzeit-Training ist ein wissenschaftlich fundiertes, von der Freien Universität Berlin als signifikant wirksam hinsichtlich der Delinquenzreduktion evaluiertes Verfahren.

 

Die psychoanalytisch-interaktionelle Methode ist ein Verfahren, das auf die Veränderung von Interaktionsmustern abzielt. Durch entwicklungsförderliche Interventionen in der Interaktion mit einem diagnostisch geschulten Gegenüber werden korrigierende Beziehungserfahrungen ermöglicht, die ein implizites Umlernen (bzw. „Um-erfahren“) anregen. Der Coach bringt sich hierfür selektiv-authentisch und aktiv in die Interaktion mit den Klient(inn)en ein. Auch die Wirksamkeit dieser Art der Behandlung von Menschen, in diesem Fall mit schweren Persönlichkeitsstörungen, wurde in mehreren Studien überzeugend nachgewiesen.

 

Die Zielsetzung

Unter Verwendung von methodischen Elementen aus der psychoanalytisch-interaktionellen Methode und dem Denkzeit-Training soll mit den erwachsenen Klient(inn)en gezielt an ihrer Gewaltproblematik gearbeitet werden.

Wir arbeiten die Vergangenheit nicht auf, wie das im therapeutischen Setting angeboten wird, sondern nutzen sie nur, um zu einem Verstehen zu kommen. Wir arbeiten konkret und unmittelbar lebensnah an der zukünftigen Verbesserung der wichtigen aktuellen Beziehungen.

Zu Beginn des Coachings werden die Hintergründe von Gewaltdurchbrüchen des Klienten/der Klientin, Situationen, in denen es zu Gewalt kommt sowie Muster und Motive im Umgang mit Gewalt mit dem Klienten/der Klientin erkundet. Parallel dazu werden mit Hilfe einer Interaktionsdiagnostik diejenigen Funktionen der Selbst- und Beziehungsregulierung ermittelt, deren Einschränkungen wesentlich an der Entstehung von spannungsreichen Situationen und Gewalt im sozialen Alltag des Klienten/der Klientin beitragen. Gemeinsam werden dann konkrete Ziele festgelegt.

Im Folgenden konzentriert sich der Coach auf diejenigen Selbst- und Beziehungsregulationsfunktionen, die der Klient an ehesten nachreifen möchte und fokussiert seine gesamte Interaktion mit dem Klienten/der Klientin auf die Förderung der Entwicklung dieser Funktionen. Er gibt sich als Gegenüber in seinem Denken, Erleben und Fühlen deutlich zu erkennen, soweit dies für den Klienten/die Klientin in seiner/ihrer Entwicklung hilfreich ist. Der Klient/die Klientin erfährt so etwas über seine/ihre Wirkung im sozialen Miteinander und kann Handlungsoptionen im geschützten Rahmen des Coachings erproben.

 

Es wird vor allem an den Alltagssituationen aus der Lebenswelt der Klientin/des Klienten gearbeitet. Er/sie kann konkrete Situationen aus seinem sozialen Alltag in das Coaching mitbringen, die dann in der beschriebenen Weise bearbeitet werden, so dass Handlungsoptionen durchdacht und alternative Lösungsmöglichkeiten sichtbar gemacht und durchgearbeitet werden können. Die Erlebnisse des Alltags mit diesen Strategien, fließen dann wieder ins Coaching ein.